Ich hab’ keine Schreibprobleme… ich komm bloß nicht dazu!

Ein Gastbeitrag von unserer Netzwerkpartnerin Dzifa Vode

In Gesellschaft schreiben

Jaja, man müsste eigentlich schreiben – an der Doktorarbeit, einem Buchbeitrag, einem Forschungsartikel oder einem Konzept. Aber irgendwie kommt immer etwas dazwischen: ein Termin, ein Gespräch mit dem Chef, der nette Kollege, das kranke Kind, dringend Putzen, die Hochzeit der Freundin – kurz: das Leben. Viele Menschen, die ich in meinen Schreibseminaren oder in der Schreibberatung treffe, sagen, sie hätten gar keine Schreibprobleme, sie kämen gar nicht erst dazu. Wer an einem anspruchsvollen Schreibprojekt sitzt, muss immer wieder Zeit dafür freihalten, freischaufeln und verteidigen. Und das fällt schwer. Eine Ursache dafür und drei Lösungen möchte ich hier für Sie aufdröseln.

Schreiben ist lange nur wichtig, nicht dringend

Die Arbeit an großen Schreibprojekten gehört – bis kurz vor Ablauf der Frist – häufig zu den Aufgaben, die zwar wichtig sind, aber nicht wirklich dringend. Wir können es immer wieder auf Morgen verschieben, ohne dass etwas passiert. Bis das Schreiben – schwupp – in die Kategorie dringend und wichtig wechselt. Nun braucht Schreiben Zeit, meist sogar mehr als man denkt. Nicht jeder Mensch kann unter extremen Zeitdruck gut schreiben und viele größere Schreibprojekte wie die Doktorarbeit brauchen nicht nur viel Schreibzeit, sondern auch Korrekturschleifen, Pausen, in denen das Projekt gären und brüten kann. Solchen wichtigen, aber nicht dringenden Aufgaben (wie auch dem Sport) sollte man einen festen Platz in seinem Leben einräumen.

Sollte… eigentlich… gute Idee, aber da kommt dann wieder der Chef, die E-Mail, eine Besprechung etc. pp. Was tun? Bildet Banden, rät die Schreibtrainerin Judith Wolfsberger. Das ist auch mein Vorschlag: mal das gesellige Schreiben ausprobieren. Gemeinsames Schreiben erhöht die Produktivität, verringert Prokrastination, ermöglicht den Austausch und macht am Ende sogar Spaß. Kooperation für das eigene Schreiben zu nutzen ist auf verschiedene Weisen möglich: in Schreibgruppen, Schreibtreffs und Schreibretreats.

In Schreibgruppen gemeinsam schreiben, Feedback geben, jammern und lachen

In Schreibgruppen schließen Sie sich mit anderen Schreibenden zusammen, um sich wechselseitig beim Schreiben zu unterstützen. Sie geben einander Text-Feedback, diskutieren Lösungen und freuen sich über erreichte Meilensteine. Sie treffen sich regelmäßig, um gemeinsam zu schreiben. Nicht am gleichen Text, aber am gleichen Ort. So wie man sich mit jemanden zum Joggen verabredet, weil man eben doch leichter am Morgen eine Stunde früher aufsteht, wenn man weiß, dass gleich jemand vor der Tür steht (der vielleicht auch nur aufgestanden ist, weil er sich mit Ihnen verabredet hat).

Wichtig damit die Schreibgruppe funktioniert: Verbindlichkeit, Regeln, Termine. Wie kommunizieren wir, was machen wir, wenn jemand absagt, wie strukturieren wir die Treffen?

Der Schreibtreff als silent productivity zone

Schreibtreffs ähneln Schreibgruppen – hier können die Teilnehmenden jedoch variieren, fest sind Zeit und Ort. Silent productivity zones – hat das mal ein Kollege genannt. In meinen Workshops rate ich Teilnehmenden, wenn sie selbst einmal einen Lehrstuhl leiten, solche Zonen einzurichten. Da viele Menschen in ihren Büros nicht produktiv schreiben können, würden Schreibtreffs die Publikationsraten des Lehrstuhls vermutlich deutlich erhöhen. Wenn eure LehrstuhlinhaberInnen noch nicht so innovativ sind, sorgt selbst dafür!

Trefft euch beispielsweise jeden Freitag vormittag in Raum XX.234, hängt ein Nicht-stören-Schild an die Tür, und für die nächsten zwei oder drei Stunden arbeiten alle an ihren jeweiligen Texten. Wenn ihr es strukturierter möchtet, äußert ihr am Anfang des Treffens kurz den Stand der Dinge, das ( SMART ) Ziel für die Session. In den letzten zehn Minuten erklärt jede und jeder blitzlichtartig, wie es gelaufen ist. Danach gehen Sie zusammen essen und feiern die vielleicht ungeahnte Produktivität.

Scheibretreats – produktiv erholen

In Schreibretreats fokussieren Sie Ihr Schreiben und schotten sich bewusst vom Leben ab. Dazu mieten Sie sich selbst im Winter an der Ostsee in einem Hotel ein oder buchen eine Skihütte im Sommer. Wenn Sie sich um nichts kümmern möchten, außer um Ihr Schreiben, melden Sie sich bei einem Schreib-Retreat an. Hier arbeiten Sie in angenehm konzentrierter Atmosphäre unter Gleichgesinnten, die ihrerseits auch alle an einem wichtigen Projekt arbeiten.

Besonders produktiv ist hier ein strukturierter Ablauf, in dem Schreiben immer wieder einen festen Platz hat. So müssen Sie nicht jedes Mal aufs Neue das Schreiben erobern und verteidigen. Hier können Sie in Ruhe Schreibgewohnheiten entwickeln, die sich dann in den Alltag übertragen lassen. Wer vor einem Abgabetermin steht, für den ist Urlaub nicht erholsam. Das Wissen, dass zuhause die Arbeit liegt und nicht vorangeht, nagt. Das Gefühl produktiv zu sein ist entspannend und erholsam. Insofern verknüpfen Schreibretreats Produktivität und Entspannung auf gute Weise.

Lust auf ein Schreib-Retreat bekommen? Dann sehen Sie sich doch mal das Summer Writing Retreat 2019 an, das ich in Holzmannstett bei München anbiete, vom 1. bis zum 6. September 2019. Bis zum 31.3. gilt noch der Frühbucher-Rabatt – also gleich mal reinschauen unter https://www.schreib-fertig.de/writing-retreat-1 .

Dieses Nähkästchen wurde von Netzwerkpartnerin Dzifa Vode verfasst. Als Schreibtrainerin und Schreibcoach begleitet sie Menschen auf ihren Wegen zum Text. Kontaktieren Sie bei Interesse

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