Wieder mal nur von Idioten umgeben?…Wie das Denken an den Rucksack helfen kann.

Von Matthias Beckmann

Was tragen Sie eigentlich den ganzen Tag so in ihrem Rucksack mit sich herum? Und damit meine ich den emotionalen Rucksack, in dem Gefühle, Interessen, Werte, Vorerfahrungen und entsprechende Erwartungen an Menschen und Orte sind. Kurz: alles das, was unser tägliches Erleben massiv beeinflusst. Er funktioniert wie eine Art Wirklichkeitsfilter, der je nach Biographie und Tagesform ganz unterschiedliche Dinge durchlässt. Und diesen Rucksack hat jeder von uns dabei. Immer und überall. Nur macht er die Dinge schwerer, als es sein müsste. Wie wollen Sie also mit Ihrem Rucksack umgehen?

Erfahrungen bestimmen unsere Vorstellung von der Zukunft

Dazu lohnt ein Blick darauf, wie der Rucksack funktioniert, also konkret: wie sich sein Einfluss auf uns darstellt. Wir machen unser ganzes Leben lang Erfahrungen und speichern ab. Sämtliche prägenden, positiven wie negativen Erfahrungen kommen in den Rucksack. Das geschieht ganz unbewusst. Und vielleicht kennen Sie das Phänomen bei Rucksäcken oder auch Handtaschen die man sehr oft benutzt: es bildet sich ein Bodensatz. Dinge die schon so lange darin sind, dass man schon gar nicht mehr weiß, dass man sie mit sich führt. Das sind unsere früheren Erfahrungen, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind. Wir hinterfragen sie nicht mehr, obwohl sie unser Handeln jeden Tag bestimmen, indem wir glauben, dass sich Erfahrungen wiederholen, oder zumindest uns so ähnlich wieder begegnen. Und sie geben dem Rucksack Gewicht. Ein Grundgewicht, das je nach Befüllung unterschiedlich schwer wiegen kann. Oben drauf packen wir jeden Tag etwas Neues. Das sind aktuelle Erlebnisse und Erfahrungen wie Müdigkeit, Stress, nervige Kollegen, Ärger über den zu spät gekommenen Bus oder die Sorge über das kranke Kind zu Hause. Natürlich kommen auch positive Erfahrungen hinein, z.B. der eigene Geburtstag, die Vorfreude auf ein Ereignis am Abend, Verliebtheit oder ähnliche Dinge. Diese aktuellen Erfahrungen kommen zu den früheren Erfahrungen dazu und dieses Gemisch begleitet uns durch den Alltag – mehr oder weniger schwer.

Jeder hat seinen Rucksack.

Wir alle tragen so einen Rucksack, der uns durch sein Gewicht, also die emotionale Last, immer und zu jederzeit in unseren Handlungen und unserer Wahrnehmung beeinflusst. Zwar können manche diesen Rucksack leichter mal kurz absetzen als andere, aber jeder hat ihn. Auch unser Gegenüber. Und genau das gilt es, sich bewusst zu machen. Denn dann versteht man auch, dass scheinbar komisches oder schwieriges Verhalten einer Person nicht unbedingt etwas mit uns selbst, zu tun haben muss. Dieses Verhalten kann seine Ursachen auch außerhalb unserer Person haben, nämlich im Rucksack unseres Gegenübers, auch wenn diese Ursache zufällig in dem Gespräch mit uns zu Tage kommt.

Wie viel Einfluss geben wir den Emotionen?

Wir können oft nichts für den Inhalt des Rucksacks der anderen Person und daher ist es nur gesund, nicht jedes unerklärliche komische oder sogar unverschämte Verhalten der anderen Person auf sich selbst zu beziehen. Wenn die andere Person privat große Sorgen hat, die sie nicht mit uns teilt, gerade aus diesem Grund aber angespannt und genervt reagiert, hilft das Bild des Rucksacks, das Verhalten der anderen Person besser zu verstehen. Vielleicht verhilft das Verständnis für den Rucksack des anderen zu etwas mehr Gelassenheit bei einem selbst. Denn auch wenn er Verhaltensweisen nicht entschuldigt, macht er sie zumindest erklärbar und damit handhabbarer.

Wenn Sie mehr über den Rucksack und auch noch andere Phänomene unserer alltäglichen Kommunikation erfahren wollen, besuchen Sie uns in einem unserer offenen Kurse auf www.sprachraum-akademie.de.


Der Autor

Dieses Nähkästchen wurde von Matthias Beckmann verfasst. Kontaktieren Sie bei Interesse matthias.beckmann@sprachraum.org


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