Emotionen im Seminarraum

von Jana Antosch-Bardohn

Uns Sprachraum-TrainerInnen ist es immer sehr wichtig, dass im Seminarraum eine Seminaratmosphäre herrscht, die von positiven Emotionen geprägt ist. Darum bemühen wir uns, seit wir vor über 12 Jahren mit dem Seminargeschäft begonnen haben, intuitiv. Worauf begründet sich eigentlich diese Intuition? Wie entstehen Emotionen von Lernenden und welche Auswirkung hat das auf mein Seminar?

Emotionen kennzeichnen sich durch Valenz und Aktivierung

Seminarteilnehmer können beim Lernen im Seminar vielfältige Emotionen erfahren, beispielsweise „Lernfreude“, „Entspannung“, „Ärger“ oder „Langeweile“.

Jede Emotion ist durch zwei Merkmale gekennzeichnet: ihre „Valenz“, also ob eine Emotion positiv oder negativ ist, und ihre „Aktivierung“, also ob eine Emotion hoch oder niedrig aktiviert.

Sämtliche Emotionen lassen sich anhand dieser beiden Dimensionen auf einem Vierfelderdiagramm lokalisieren. Die Emotion „Lernfreude“ ist beispielsweise positiv-aktivierend, „Entspannung“ positiv-deaktivierend, „Ärger“ negativ-aktivierend und „Langeweile“ negativ-deaktivierend.

Eine wissenschaftliche Theorie zur Erklärung des Entstehens von Emotionen ist die Kontroll-Wert-Theorie nach Reinhard Pekrun (2002). Die Theorie besagt, dass die Hauptursache einer Lernemotion, ihrer jeweiligen Valenz und ihrer Aktivierung, die persönlich empfundene Kontrolle sowie der persönlich empfundene Wert eines Lerngegenstandes ist.

Hohe Kontrolle bringt positive Emotionen mit sich

Die Kontrolle bestimmt die Emotionsrichtung. Empfinde ich in einer Situation eine hohe Kontrolle, so werden positive Gefühle geweckt. Bin ich einer Situation praktisch ausgeliefert und habe keine Kontrolle über den weiteren Verlauf, so werden negative Gefühle aktiviert.

Im Seminar bedeutet dies, dass den Teilnehmern ein gewisses Maß an Mitbestimmung eingeräumt werden sollte. Fragen Sie Ihre Teilnehmenden beispielsweise, welche Wünsche für die Pausengestaltung im Seminar sie haben, bei welchen Themen sie Schwerpunkte setzen möchten oder erfragen Sie persönliche Fallbeispiele, um die neu erlernten Inhalte gleich in der direkten Erfahrungswelt der Teilnehmer anzuwenden.

Der Wert bestimmt wie hoch Teilnehmer aktiviert sind

Die zweite Einflusskomponente von Emotionen ist laut Kontroll-Wert-Theorie nach Pekrun der subjektiv empfundene Wert. Dieser beeinflusst die Intensität einer Emotion.

Erachte ich den Wert des Seminarthemas als für mich persönlich sehr wichtig, so steigt meine Aktivierung: ich fühle mich hellwach und bin aufmerksam, was im Seminar passiert. Empfinde ich das Seminarthema als unwichtig, so sinkt die Aktivierung, ich fange an mich zu langweilen.

Sie als Trainer können auf die Wertkomponente insofern einen Einfluss nehmen, indem Sie die Relevanz und den Nutzen Ihrer Inhalte immer wieder klar verdeutlichen, Beispiele formulieren und Lerntransfermöglichkeiten anbieten.

Einfluss von Emotionen auf Motivation und Leistung

In einem Zustand positiv-aktivierender Emotionen können sich die Seminarteilnehmer besser konzentrieren, sie wenden intensivere Lernstrategien an und der Erwerb neuen Wissens wird begünstigt. Die Kreativitätsforschung zeigt, dass in positiv-aktivierenden Zuständen kreativere Leistungen vollbracht werden. Emotionen sind demnach für das Lernen im Seminar ein wichtiger Einflussfaktor.

Es lohnt sich also für TrainerInnen und WorkshopveranstalterInnen eine positive Seminaratmosphäre zu gestalten und die positiv-aktivierenden Emotionen der Teilnehmenden dadurch zu fördern (siehe auch den Blog von Matthias zur Schaffung einer guten Lernatmosphäre). Denn das Lernen soll ja nicht nur den Seminarteilnehmern, sondern auch den TrainerInnen Freude machen!


Die Autorin

Dieses Nähkästchen wurde von Jana Antosch-Bardohn (antosch-bardohn[at]sprachraum.org) verfasst.


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