Energy flows where the attention goes; oder: Denken steuert Handeln

von Matthias Beckmann

Im Rahmen unserer Coachingausbildung hat mich eine Anmerkung unseres Kursleiters Oliver Watzal (www.systemischeausbildung.de) besonders beeindruckt. Er zitierte Milton Erickson, den Begründer der Hypnotherapie, der einmal sagte: „Energy flows, where the attention goes.“ Energie fließt dorthin, worauf sich unsere Gedanken richten. Das fand ich bemerkenswert, vor allem die Schlussfolgerung aus dem Zitats: Gedanken sind Energie. Doch was meint das genau?

Ein Beispiel: Allein der Gedanke „ich möchte jetzt ein Glas Milch trinken“ setzt eine Vielzahl von kleinen Handlungen in Gang, die am Ende dazu führen, dass ich schlussendlich ein Glas Milch trinken kann. Konkret: ich stehe auf, laufe ein paar Schritte zum Schrank, hebe meinen Arm, öffne den Schrank, entnehme ein Glas, schließe die Schranktür, gehe zum Kühlschrank und öffne die Tür, nehme die Milch und so weiter. Aus einem einzigen Gedanken wurde eine Vielzahl von Handlungen, die ich unbewusst aufeinander folgen lasse – ich denke nicht über jeden Schritt genau nach, sondern mache sie einfach. Weil mir klar ist, dass ich das so tun muss, um am Ende zu bekommen, was ich wollte. Genauso ist es mit jeder anderen Intention auch, mit unseren Zielen im Leben. Wenn ich weiß, was ich will, unternehme ich unbewusst – ja fast automatisch – viele der erforderlichen Schritte dazu fast automatisch. Allein schon deshalb, weil ich motoviert bin etwas zu erreichen und daher auch motiviert bin zu handeln.

Selbsterfüllende Prophezeiungen

Das Prinzip funktioniert leider auch bei dem Wort „nicht“. Das „nicht“ wird zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Konkret: Menschen tendieren dazu mit ihren Gedanken vor allem um das Problem zu kreisen, anstatt sich mit der Lösung zu beschäftigen. Je mehr man das Problem bedenkt, desto größer und schlimmer scheint es und umso schwerer scheint eine Lösung – im schlimmsten Fall denkt man sich in eine Problemtrance, in eine selbst induzierte Handlungsunfähigkeit. Das heißt nicht das Problem lähmt einen, sondern die eigenen Gedanken. Denn wie oben beschrieben steht vor einer Handlung zunächst der Gedanke, die Intention, aus der die Handlung entsteht – oder eben nicht.

Was das für mich bedeutet: Wenn man vor einer neuen Aufgabe steht, einer nervenaufreibenden Präsentation oder einem schwierigen Gespräch und man denkt „Ich kann das“ oder „Ich kann das nicht“ – beide Male hat man Recht. Denn wie bereits gesagt: Denken steuert Handeln.

Glaubenssätze hinterfragen und positive Szenarien formulieren

Warum hat das hier in unserem Blog Platz? Ich möchte anregen, die eigenen Einstellungen und Glaubenssätze gegenüber bestimmten Situationen hinterfragen: wie gehe ich an Aufgaben und Situationen heran? Traue ich mir etwas zu, oder nicht? Wenn man sich etwas zutraut und ein positives Ende visualisiert, steigt dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass es auch klappt. Andersherum gedacht: Wenn ich mir etwas nicht zutraue, warum sollte es dann klappen?

Mein Praxis-Tipp: Denken sie in positiv aktiv formulierten Szenarien, konkret: „Was kann ich tun damit das gewünschte Ergebnis eintritt“ anstatt „Was sollte ich tun, damit XY nicht passiert“. Die zweite Formulierung fokussiert auf das negative Ergebnis, und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dass es eintritt – auch wenn man es vermeiden will. Denn durch die Formulierung dieser Sätze bekommt Denken eine sprachliche Form und kann so Handeln steuern. Denn wie Milton Erickson sagte: „Energy flows where the attention goes.“


Der Autor

Dieses Nähkästchen wurde von Matthias Beckmann verfasst. Kontaktieren Sie bei Interesse matthias.beckmann[at]sprachraum.org


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