Große Gruppen durch Methoden aktivieren

von Jana Antosch-Bardohn (Foto von Fotolia)

Eines unserer Seminarthemen, welches besonders von Hochschulen nachgefragt wird, ist „Aktivierung großer Gruppen“. In diesem Nähkästchen finden Sie einige Impulse zur Aktivierung großer Gruppen. In Vorlesungen oder Konferenzen sprechen Redner nicht selten vor mehr als 100 Zuhörern. Meist werden Vorträge in großen Gruppen frontal mit Unterstützung von Power Point gehalten. Sowohl der Vortragende als auch das Publikum neigen dann dazu, an den Folien zu „kleben“. Das Publikum wird in eine Konsumentenhaltung versetzt, wenn es nicht sogar komplett die Aufmerksamkeit verliert. Das sollte nicht sein!

Kurzaktivierungen zur Aufmerksamkeitssteigerung

Bauen Sie kurze inhaltliche Interaktionsmöglichkeiten ein, um Ihr Publikum zu aktivieren und die Aufmerksamkeit zu halten, treten Sie mit Ihrem Publikum in den Dialog! Führen Sie beispielsweise ein Meinungsbild durch und lassen damit die Zuhörer sich zu einer Fragestellung per Handzeichen positionieren. Sie können Ihrem Publikum auch eine offene Frage stellen und es bitten, sich kurz mit dem Sitznachbarn darüber auszutauschen. Sie werden staunen, wie gut diese kleine einfache Methode klappt und die Gruppenatmosphäre positiv beeinflusst. Nach einer Weile des eher passiven Zuhörens werden die Teilnehmer durch diese Methode wieder sprechbereit. Sie tauschen sich inhaltlich aus, wodurch sie auf der einen Seite aktiv Wissen generieren, auf der anderen Seite wird der Kontakt untereinander gefördert – die Zuhörer werden also sowohl auf der Sach- als auch auf der Beziehungsebene aktiviert. Die Hemmschwelle des Publikums einen Wortbeitrag zu leisten, ist gerade in einer großen Gruppe besonders hoch. Durch diesen kurzen Austausch wird diese Hemmschwelle herabgesetzt, da die Teilnehmenden sich absichern konnten, ob ihre Antwort angemessen ist. Weitere methodische Anregungen finden Sie in unserem Methodenkasten.

Es zählt nicht, wie viel der Sprecher sagt, sondern wie viel die Zuhörer aufnehmen

Ein Einwand Aktivierungen zu nutzen ist der, dass zuviel Stoff in zu wenig Zeit vermittelt werden muss. Wenn Sie auf die oben beschriebenen zwei Methoden zurückblicken, merken Sie, dass Sie die Durchführung dieser Aktivierungen nur ein paar wenige Minuten kosten wird. Außerdem sollten Sie die Inhaltsfülle nicht daran bemessen, wie viel Sie als Redner sprechen, sondern wie viel das Publikum aufnehmen kann. Auf der einen Seite sind unsere Aufmerksamkeitsressourcen begrenzt (siehe auch das Nähkästchen zum Thema der kognitiven Belastung). Kurze Interaktionsmöglichkeiten helfen die Aufmerksamkeit des Publikums wieder zurück zu erlangen bzw. diese im Verlauf des Vortrags zu erhalten. Auf der anderen Seite schaffen kurze Interaktionen bei den Zuhörern eine aktive Auseinandersetzung mit den Inhalten und führen zu einer tieferen Verarbeitung des Wissens. Das bedeutet also, dass Sie vielleicht nicht ganz so viel Stoff schaffen, allerdings werden diese Inhalte dafür vom Publikum aktiv verarbeitet und demnach besser behalten.

Zur Stoffreduktion sei auf das Buch von Martin Lehner „Viel Stoff, wenig Zeit“ verwiesen, der sehr anschaulich ein paar einfache Techniken zur inhaltlichen Selektion beschreibt.

Aktivierung durch Medienwechsel

Auch ohne Interaktionsmethoden lässt sich ein großes Publikum aktivieren. Nutzen Sie dazu den Medienwechsel: bauen Sie Phasen ein, in denen Sie Ihre Präsentation auf „schwarz“ schalten und ein Flipchart oder eine Tafel verwenden. Prüfen Sie vorab, ob Sie im Raum eine zweite Wand als Projektionsfläche (z.B. mithilfe eines Overhead-Projektors) nutzen können, so dass die „Bühne“ auch einmal gewechselt wird. Bleiben Sie während Ihres Vortrags nicht die ganze Zeit hinter dem Rednerpult stehen, sondern benutzen Sie die ganze Raumbreite. Hin und wieder bietet es sich sogar an, an den Seiten des Raumes entlangzugehen.

Aktivieren Sie Ihre Zuhörer, so dass Sie und Ihre Inhalte positiv im Gedächtnis bleiben. Bei Fragen zur konkreten Umsetzung oder einem Workshopanliegen zu diesem Thema beraten wir Sie gerne!


Die Autorin

Dieses Nähkästchen wurde von Jana Antosch-Bardohn (antosch-bardohn[at]sprachraum.org) verfasst.


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