+AVIVA+ auf der Skipiste

Jana Antosch-Bardohn

Bildquelle: www.skischule-haisermann.de

In diesen Weihnachtsferien gönnte ich mir meinen ersten Skikurs seit 20 Jahren. Der Skilehrer Cedric zeigte mir unterschiedlichste Übungen und ich hatte bereits nach einer halben Stunde das Gefühl, viel gelernt zu haben. In der Pause fragte mich Cedric aus, was ich beruflich so mache und war sehr interessiert, mehr über Didaktik für Skilehrer zu erfahren. Zunächst stutzte ich. Inwieweit können denn Skilehrer didaktische Konzepte aus dem Seminarraum auf der Skipiste anwenden? Doch recht schnell erkannte ich, dass Didaktik für Skikurse gar nicht so weit hergeholt werden muss.

Die Kurseinheiten nach dem +AVIVA+ Schema aufzubauen, dürfte den Teilnehmern beispielsweise das Lernen sehr erleichtern. Die Phasen des AVIVA Schemas stammen ursprünglich von Städeli & Grassi, die die Phasen nach lernpsychologischen Grundsätzen konstruiert haben. Lernen nach dem +AVIVA+ Schema bedeutet die Instruktion von neuem Lernstoff so zu strukturieren, dass die Lernenden den Stoff optimal in ihre vorhandenen Wissenstrukturen integrieren können und behalten.

Für all diejenigen, die das +AVIVA+ Schema noch nicht kennen, möchte ich es hier ganz kurz aufzeigen, ohne es in der Tiefe zu erläutern. Aus Freude am Skifahren stelle ich bei jeder Phase kurz den Bezug zum Skiunterricht her.

+ Lernatmosphäre gestalten

In einer positiven Lernatmosphäre fällt uns das Lernen leichter. Gerade zu Beginn des Kurses sollte darauf geachtet werden eine gute Lernatmosphäre herzustellen. Dies passiert beispielsweise durch eine freundliche Selbstvorstellung und durch gute Orientierung, in der die Lernenden erfahren, was sie heute im Kurs machen und welche Lernziele angestrebt werden. In Kinderskikursen ist es auch sehr beliebt, mit einem gemeinsamen Schlachtruf zu starten (z.B. „Zickezacke, zickezacke, heu, heu, heu“).

A Ausrichten

Diese Phase soll die Lernenden mit einem kurzen Satz oder einem Beispiel auf das Thema einstimmen und fokussieren (z.B. „Seid ihr alle frisch gestärkt vom Mittagessen zurück? Schaut mal, ich habe hier zwei Strohhalme mitgebracht. Wir lernen jetzt die Ski ganz parallel zu führen, genauso wie ich diese Strohhalme bewege)

V Vorwissen aktivieren

Neuer Lernstoff kann besser behalten werden, wenn er an bereits bestehendes Wissen angeknüpft wird. Dies kann durch Fragen (z.B. „Was habt ihr schon in einem vorherigen Skikurs gelernt?“, „Nennt mir eine Übung, die wir gestern gemacht haben…“) oder praktisches Aktivieren geschehen (z.B. Jeder macht eine Übung vor, die er oder sie schon kennt.)

I Informieren

Durch die zwei kurzen vorherigen Phasen ist der Kopf der Teilnehmer nun „warm“ gelaufen. Jetzt sind die Lernenden bereit für neue Informationen. (Skilehrer gibt z.B. Information zum parallelen Kurvenfahren mit variabler Spurlage und macht die Technik vor)

V Verarbeiten

Nach einer kurzen Informationsphase, sollte den Lernenden Zeit gegeben werden um den neuen Lernstoff zu verarbeiten und ihn so im Gedächtnis zu verankern. Es ist Zeit zum Üben (Im Skikontext kommt nun eine Übung zum parallelen Kurvenfahren)

A Auswerten

Am Ende der Lehreinheit wird sie durch die Phase „Auswerten“ abgerundet. Dies kann durch ein Feedback oder eine kurze Reflexion passieren (z.B. „Wie wars, was hat Euch gut gefallen, was hat Euch frustriert, worauf seid ihr stolz?“). Diese Phase dient dazu den Lernprozess zu reflektieren um weitere Lerneinheiten systematischer angehen zu können. Sie liefert dem Lehrer zudem ein wichtiges Feedback.

In welcher Situation Sie auch immer anderen Menschen etwas erzählen oder beibringen wollen, richten Sie sich an die Struktur des +AVIVA+ Schemas. So vermitteln Sie neue Informationen so, dass die Verarbeitung beim Lerner optimal erfolgen kann. Meinem Skilehrer ist das übrigens intuitiv ganz wunderbar gelungen!


Die Autorin

Dieses Nähkästchen wurde von Jana Antosch-Bardohn verfasst.

Kontaktieren Sie bei Interesse antosch-bardohn[at]sprachraum.org


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