Die Wortwahl im Blick: Worte machen den Unterschied?!

Caroline Frauer

In der Rhetorik sind Worte deutlich mehr als Schall und Rauch. Ihre bewusste Wahl kann Denken formen und Wirklichkeit entstehen lassen. Konkret bedeutet das: unsere Wortwahl beeinflusst gedankliche oder motivationale Prozesse bei unseren Gesprächspartnern und Zuhörern. Doch was bedeutet das für uns, gerade wenn wir in unserem Beruf gefordert sind, ein Meinungsbild zu entwickeln, Entscheidungsprozesse zu begleiten oder Feedback zu geben, wir also in lehrender oder führender Position sind? Welche VerantWORTung haben wir in Bezug auf unsere Wortwahl?

Worte legen Interpretationen nahe

Die Worte, die wir verwenden sind meistens nicht wertneutral, sondern sind durch Erfahrungen oder den bisherigen Sprachgebrauch positiv oder negativ geprägt. Das heißt, sie legen bereits eine wertende Interpretation nahe. Diesen Gebrauch von sprachlichen Elementen, die eine bestimmte Perspektive auf die Situation ausdrücken, nennt man in der Entscheidungstheorie „Framing“ (bekanntes Beispiel: das halb volle Glas gegenüber dem halb leeren Glas). Der Frage, ob das Framing tatsächlich eine Änderung im Verhalten der damit konfrontierten Personen bewirken kann wurde und wird in der Forschung – in unterschiedlichsten Bereichen nachgegangen. Gerne möchte ich hier drei – wie ich finde interessante – Forschungsergebnisse zusammenfassen:

Worte beeinflussen Entscheidungen

Werden Informationen positiv formuliert (Bsp.: „30 der letzten 50 Projekte waren erfolgreich“), erfolgen Entscheidungen im Anschluss häufig automatisiert ohne Einbezug des gesamten Problemumfangs. Bei negativer Formulierung von Informationen („20 der letzten 50 Projekte waren nicht erfolgreich“) werden Entscheidungen kontrollierter und systematischer getroffen. (Dunegan 1993)

Worte haben Einfluss auf Zufriedenheit und Leistung

Interessant sind auch Ergebnisse aus dem Bereich Feedback: Feedback, das positiv gerahmt wird („Das hast Du gut gemacht, einige Tipps, um noch mehr Wirkung zu erzeugen sind…“) führt zu höherer Zufriedenheit, zu höherer Einschätzung der Selbstwirksamkeit sowie – und das finde ich besonders relevant – zu einer besseren Leistung als negativ gerahmtes Feedback („Das war nicht gut. Du solltest ändern….“) (Ridder et al. 2015).

Worte beeinflussen Erwartungen

Die Wortwahl hat Einfluss darauf, was wir erwarten und was daraufhin passiert. Die so genannten Erwartungseffekte werden verstärkt. Das erklärt (zumindest teilweise) den Nocebo-Effekt (vgl. Rief & Glombiewsky 2016). Ein Beispiel: Ein (ängstlicher) Patient wird darüber aufgeklärt, dass 5 % unter starken Nebenwirkungen bei der Einnahme eines bestimmten Medikaments leiden und wie diese Nebenwirkungen sich äußern. Dass 95 % keine Nebenwirkungen haben, wird nicht erwähnt. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Patient eine dieser Nebenwirkungen aufweisen wird. Fast wie eine selbsterfüllende Prophezeiung (informativer Kurzartikel hierzu im Ärzteblatt unter: www.aerzteblatt.de/archiv/147589).

Fazit: Worte schaffen Realität

Alle Beispiele zeigen, dass die Sprache Einfluss auf die Wahrnehmung von Problemen oder auf die Erwartungshaltung von Menschen hat. Damit wird für mich deutlich, dass Sprache tatsächlich Realität schafft – das fasziniert mich!

Nachdem die Forschungsergebnisse bisher nicht zulassen, genaue Anweisungen zur optimalen Wortwahl zu formulieren, bleibt nur der Appell meinerseits: wählen Sie Ihre Worte gerade bei brisanten, schwierigen oder bedeutsamen Kommunikationssituationen mit Bedacht – sie haben die Macht, die Wirklichkeit zu formen!


Die Autorin

Dieses Nähkästchen wurde von Caroline Frauer verfasst.

Kontaktieren Sie bei Interesse caroline.frauer[at] sprachraum.org


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