Wie viel Inhalt vertragen die Teilnehmer?

Jana Antosch-Bardohn

Bildquelle: Renate Bardohn

Ich habe den Ehrgeiz, dass die Teilnehmer aus meinen Seminaren möglichst viel mitnehmen und doch ist die Frage, wie viel Neues Lernende eigentlich überhaupt aufnehmen können. Vielleicht stehen Sie bei der Konzeption Ihrer Veranstaltungen manchmal auch vor der Frage, ob Sie noch einen weiteren spannenden Inhalt in den Tag quetschen, damit die Kursteilnehmer auch wirklich rundum informiert sind oder ob sie lieber Inhalte entschlacken?

Einen Teil der Antwort kann die Cognitive Load Theorie nach Sweller (2011) geben. Die Theorie der kognitiven Belastung geht davon aus, dass Lernen ein ressourcenbeanspruchender Prozess ist und die Kapazitäten im Arbeitsgedächtnis begrenzt sind. Ein Ziel von Vortragenden, Lehrenden und Trainern sollte es also sein, zu vermeiden, dass Teilnehmer unnötige Informationen im Arbeitsgedächtnis verarbeiten müssen. Doch wie können wir das beeinflussen?

Die kognitive Belastung setzt sich nach dieser Theorie aus drei verschiedenen Quellen zusammen: der inhaltsbedingten, der sachfremden und der lernrelevanten kognitiven Belastung. Die inhaltsbedingte Belastung wird durch die Komplexität und Schwierigkeit des Lerninhalts bestimmt. Je komplexer und schwieriger ein neuer Inhalt ist, desto größer ist bei dem Lerner die kognitive Belastung. Die sachfremde kognitive Belastung bezieht sich auf das Lernmaterial. So kann es sehr lernbehindernd wirken, wenn störende Aspekte, wie beispielsweise sachfremde Grafiken, animierte Hintergründe oder getrennte Informationen, die zusammengehören, umständlich zu finden sind. Die Seminarteilnehmer müssen verstärkt kognitive Ressourcen aufwenden, um lernrelevante Informationen herauszufiltern. Diese Ressourcen sind dann nicht mehr frei für Prozesse des Verstehens. Die lernrelevante kognitive Belastung umfasst alle Denkprozesse, die für die Wissenskonstruktion notwendig sind. Dazu gehören Denkwerkzeuge, wie beispielsweise das Organisieren der Inhalte, das Formulieren von Beispielen, das Bilden von Analogien oder das Schlussfolgern.

Alle drei Formen der kognitiven Belastung summieren sich zu einer Gesamtbelastung auf. Übersteigt diese Gesamtbelastung die vorhandene Kapazität des Arbeitsgedächtnisses, so tritt kognitive Überlastung (cognitive overload) ein. In diesem Fall können die Seminarteilnehmer gar keine neuen Informationen mehr aufnehmen.

Was bedeuten die Erkenntnisse der Theorie der kognitiven Belastung also für das Gestalten von Seminaren?

Reduzieren Sie die inhaltsbedingte kognitive Belastung:

  • Ist wirklich jeder Aspekt des Inhalts wichtig um ihn zu verstehen?
  • An welchen Stellen kann der Inhalt reduziert oder vereinfacht werden?

Reduzieren Sie die sachfremde kognitive Belastung:

  • Fördern die Teilnehmerunterlagen das Verständnis?
  • Welche Visualisierungen verhelfen zusätzlich zu einem besseren Verstehen?

Steigern Sie die lernrelevante kognitive Belastung:

  • Formulieren Sie Fallbeispiele um den Inhalt zu verdeutlichen
  • Gestalten Sie Übungen, in denen Ihre Teilnehmer den Inhalt selbst erfahren können

Probieren Sie es gleich bei Ihrem nächsten Workshop aus!


Die Autorin

Dieses Nähkästchen wurde von Jana Antosch-Bardohn verfasst.

Kontaktieren Sie bei Interesse antosch-bardohn [at] sprachraum.org


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