Powerpointfolien: Visualisierung oder Dokumentation?

von Matthias Beckmann

Sie sitzen in einem Vortrag. Das Thema klingt spannend, der Redner beginnt vielversprechend – doch dann folgt eine Folienschlacht mit überfrachteten Slides voller Text. Dazu ein Redner, der das alles Wort für Wort vorliest und daher nur noch mit der Wand statt seinen Zuhörern spricht. Schade. Allein die Foliengestaltung und der daraus folgende Umgang damit machen den guten ersten Eindruck zunichte.
Warum tendieren wir dazu, Folien zu überfrachten?

Zeitdruck bzw. Effizienzdenken verführen oftmals dazu, einer Powerpoint-Datei gleich zwei Funktionen zuzuweisen. Einerseits sollen die Folien Visualisierung sein, also unterstützend veranschaulichen, was gesagt wird. Andererseits sollen sie auch im Nachhinein, ohne Präsentierenden, erschöpfend Auskunft über das Thema geben, z.B. als Handout oder für die Nachwelt abgelegt in einem Projektordner. Genau hier liegt meiner Meinung nach das Problem: es geht nur entweder oder. Denn eine gute Visualisierung ist nicht selbsterklärend.

Visualisierung ist ein tolles Instrument zur Aufmerksamkeitslenkung und bewussten Hörerführung – vor allem dann, wenn sich dem Zuhörer auf den ersten Blick nicht erschließt, was er da sieht. Erst durch den Sprecher bekommt das Gezeigte seine Bedeutung und wird dadurch besonders „merk-würdig“. Weniger Visualisiertes ist hier oft mehr: Manchmal können ein Foto, lediglich ein Satz oder zwei bis drei Schlagworte – alleine oder in Kombination – bereits ausreichen, um dem, was noch zu sagen sein wird, die entsprechende Bühne zu geben. Außerdem verleitet zu viel Text auf einer Folie die Zuhörer gerne auch dazu, „vor-zu-lesen“ und alles auf der Folie zu erfassen. Leider schaffen es nur die wenigsten gleichzeitig auch den Ausführungen des Sprechers zu folgen.

„Doch wohin mit all dem was ich sagen will?“, werden viele fragen. „Das muss doch auch auf den Folien stehen, damit ich es nicht vergesse.“ Genau für diesen Zweck wurde die Notizfunktion erfunden, die oft ein Schattendasein fristet. Doch gerade im Präsentationsmodus sind die vorher erstellten Notizen sofort zur Hand. Und auch im Nachhinein kann der Notizbereich eine erschöpfende Informationsquelle für alle „Nachleser“ sein. Man sollte alles besprechen, was gezeigt wird, doch man muss nicht alles zeigen, was man besprechen wird – schon gar nicht Wort für Wort. Daher mein Tipp: Nutzen Sie die Kraft des Weglassens für die Visualisierung ihres Inhalts. Und vor allem: entscheiden Sie sich. Sollen ihre Powerpoint-Folien visualisieren oder dokumentieren?

folienfriedhof

Der Autor

Dieses Nähkästchen wurde von Matthias Beckmann verfasst.

Kontaktieren Sie bei Interesse matthias.beckmann [at] sprachraum.org


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