Inkubationsphasen nutzen

von Jana Antosch-Bardohn

Bildquelle: Bardohn

Sicherlich kennen Sie folgende Situation: Sie sitzen an Ihrem Schreibtisch und denken seit einiger Zeit über ein Problem nach. Doch Sie kommen einfach nicht auf die richtige Lösung, so sehr Sie sich auch anstrengen und so sehr Sie sämtliche Aspekte des Problems hin und herschieben. Die Gefahr ist, dass Sie umso fixierter und blockierter werde, je mehr Sie darüber nachdenken.

Vertrauen Sie stattdessen auf die Wirkung der Inkubationsphase!
Die Inkubation ist eine Phase im kreativen Problemlösungsprozess. Idealtypische kreative Prozesse beginnen mit einer Problemanalysephase. Danach legt der Problemlöser das Problem beiseite und beschäftigt sich mit anderen Dingen. Diese Phase heißt Inkubationsphase. Nach einer gewissen Zeit fällt einem in einer völlig anderen Situation die Lösung ein (ein häufig genannter Moment ist der Einfall morgens unter der Dusche), diese Phase wird Illumination genannt.

Die Phase der „Nichtbeschäftigung“ bringt viele Vorteile für unsere Problemlösung: auf der einen Seite werden eventuelle Fixierungen aufgelöst und man kann sich nach der Pause wieder frisch mit dem Problem befassen, es unter einer anderen Perspektive betrachten und so zur Lösung kommen. Auf der anderen Seite arbeitet das Gehirn während der Inkubationsphase unbewusst am Problem weiter. Neue Impulse werden mit den Aspekten des Problems in Beziehung gesetzt, wodurch Ideen aktiviert werden, die durch bewusstes Nachdenken noch nicht aktiviert wurden. In der Forschung spricht man von internen und externen Stimuli, die mit dem Problem in Beziehung gesetzt werden. Interne Stimuli sind Impulse, die die Person selbst anbietet, also beispielsweise Erinnerungen oder bereits bestehendes Vorwissen. Externe Stimuli sind Impulse, die aus der Umwelt kommen. Deswegen sind Spaziergänge oder Gespräche mit KollegInnen häufig sehr förderlich zur Lösung von Problemen.

Am bekanntesten ist das Konzept der Inkubation sicherlich im medizinischen Bereich: hier ist die Inkubationsphase die Phase zwischen dem Moment der Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit. Die Inkubation ist also nicht sichtbar und es ist nicht klar, wann die Krankheit ausbrechen wird, aber man weiß, dass es im Körper arbeitet.

Was habe ich mit Inkubation zu tun?

Bei mir ist die Inkubation eine tief verwurzelte Haltung. Im Rahmen meiner Magisterarbeit über Kreativitätstechniken in rhetorischen Prozessen bin ich auf die Inkubationsphase gestoßen und befasse mich jetzt auch bei meiner Doktorarbeit intensiv mit Kriterien, die Inkubationsphasen fördern. In meinem Alltag habe ich tagtäglich mit Problemen zu tun, die mich immer wieder herausfordern: von kleinen organisatorischen Problemen (z.B. „Wie gestalte ich die Schatzsuche am Kindergeburtstag meiner Tochter?“) bis hin zu komplexen Problemen im beruflichen Alltag (z.B. „Welche Elemente integriere ich wie in das Konzept der Multiplikatorenausbildung für die MitarbeiterInnen eines Unternehmens?“). Ich setze mich mit dem jeweiligen Problem zunächst intensiv auseinander, bis ich das Gefühl habe, es genug durchdrungen zu haben. Dann lege ich es beiseite und vertraue auf den Prozess der Inkubation und bisher hatte ich immer rechtzeitig ohne Druck gute Lösungen parat.

Wie können Sie Inkubation für sich nutzen?

Analysieren Sie als erstes Ihr Problem: Welche Aspekte bedingen das Problem, welche Prämissen muss die Lösung erfüllen und bis wann benötigen Sie diese? Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie das Problem gut durchschauen und die Lösung immer noch nicht klar ist, so terminieren Sie, wann Sie sich wieder bewusst mit dem Problem auseinandersetzen werden. Bauen Sie keinen Druck auf, sondern vertrauen Sie auf die Inkubation in Ihrem Kopf, so lösen sich Ihre Probleme wie von selbst!


Die Autorin

Dieses Nähkästchen wurde von Jana Antosch-Bardohn verfasst.
Kontaktieren Sie bei Interesse antosch-bardohn [at] sprachraum.org


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